Kaleidoskop Nr. 55,

Kaleidoskop Nr. 55

Editorial

Abel, einer der Urväter der Menschheit, hütete seine Schafe und lebte von den Früchten, die die Erde ihm schenkte, Äpfel, Nüsse, Beeren. Sein Bruder Kain pflügte die Erde, säte Korn, jätete und erntete die Früchte seiner Arbeit. Wie man weiss, gerieten sie darüber in einen tödlichen Streit. Seither liegt die Menschheit sich in den Haaren: was ist Arbeit, was ist Müssiggang, Spiel, Hobby? – Hans Dackweiler, ein altgedienter Sozialtherapeut, ein Leben lang tätig in der Arbeit mit den Menschen mit besonderen Bedürfnissen, beschreibt Arbeit so, dass der Mensch, wenn er arbeitet, immer regsam, tätig ist und etwas in seiner Umwelt verändert, verwandelt. Dabei entsteht etwas, ein Produkt, was einem Bedürfnis eines anderen Menschen entspricht. Er betont, dass sich  dabei die Nachfolger Abels und Kains in ihren Anschauungen darüber, was Arbeit ist, in der Gegenwart wieder annähern und letztendlich versöhnen können. Insbesondere wirksam ist dabei der soziale Aspekt, das was entsteht in der Gemeinschaft der Menschen, die durch die Arbeit miteinander zu tun haben. Kann man sagen, dass jeder Mensch in der Arbeit Sinn und Befriedigung für sein Leben findet? Was ist mit den Menschen mit besonderen Bedürfnissen, die keine Arbeit im üblichen Sinne ausführen können? – Gerade sie bereichern die Gemeinschaft oft am meisten durch ihr Da-Sein, So-Sein wie sie sind, durch seelische und geistige Qualitäten, die direkt an die Fähigkeiten des Abels anknüpfen. Ihr Beitrag an die menschliche Gemeinschaft entspricht durchaus den Bedürfnissen der Menschen in ihrer Umgebung: er ist seelische Wärme, Freude, Unvoreingenommenheit, Wahrnehmung des Anderen, Herausforderung, Bedingungslosigkeit, Liebe.
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