Elternseite




  • Auf Einladung des Elternforums haben am Sonntag, 31. Oktober 2010, 6 Familien mit Ihren Kindern am Badeplausch im schönen Schwimmbad des Humanus-Hauses in Beitenwil teilgenommen. In der angenehmen und entspannten Atmosphäre genossen die 6 Kinder das Schwimmen, das Planschen und die Sprudelbadecke in vollen Zügen. Die Eltern nutzen die Gelegenheit um sich mit verschiedensten Themen auszutauschen. Der tolle Anlass wird allen in bester Erinnerung bleiben.
    Badeplausch im Humanushaus, Beitenwil

Gedanken einer Mutter

Die Tür vom Taxi ist zu – noch ein schneller Blick durch die Scheibe, ein kurzes Winken – dann geht es los. Das Taxi setzt sich mit Johannes, meinem sechs jährigen Sohn, und zwei anderen Kindern in Bewegung. Auf dem Weg zur Schule wird noch das eine oder andere Kind dazukommen.
Ich schaue dem Taxi nach. In etwa acht Stunden werde ich wieder hier stehen, um ihn in Empfang zu nehmen. Wir beide, Johannes und ich, werden viel erlebt haben. Bruchstücke von seinen Erfahrungen, Begegnungen und Erlebnissen wird er mir erzählen können, manches kann ich in seinem Büchlein nachlesen. Der Rest ist Vertrauen. Der Ablöseprozess vom eigenen Kind gehört in jeder gesunden Familie dazu. Alle Eltern müssen sich von ihren Kindern lösen, und die Kinder von ihren Eltern. Doch bei Kindern, die auf eine Heilpädagogische Schule gehen, setzt der Prozess früh ein, sind die Zeiten der „Fremd-betreuung“ lang. Zumal wenn man bedenkt, dass das Entwicklungsalter unserer Kinder oft niedriger ist als bei Kindern ohne einschneidende Behinderungen.
Ich gehe ins Haus – es ist still. Meine Gedanken sind noch einmal bei Johannes: Er hat so schlecht geschlafen – wird er den Tag gut überbestehen? Es ist doch recht kühl heute – ob ich ihn warm genug angezogen habe, falls sie nach draussen gehen? Und ich merke: Jetzt kommt der Punkt, an dem ich mich entscheiden muss: Sorgen oder Vertrauen? Vertrauen!
Ich bin dankbar für die vielen Menschen, denen Johannes heute begegnen wird, Menschen, die ihr Bestes geben werden, um ihm gerecht zu werden, so, wie er ist: Müde oder ausgeschlafen, zu warm oder zu kalt angezogen. Menschen, die ihn dort abholen, wo er steht, und die sich viele Gedanken darüber machen, wie er einen kleinen Schritt nach vorne machen kann. Menschen, die es auch aushalten, wenn es mal einen Schritt zurück geht. Aber eben Menschen. Denen auch einmal ein Fehler passiert – so, wie mir auch. Die auch mal einen schlechten Tag haben – so, wie ich auch. Die auch mal nicht alle Geduld der Welt haben – so, wie ich auch. Meine acht „freien“ Stunden vergehen erstaunlich schnell – Hausarbeit und Termine auswärts, Telefonate, meine Arbeitsstelle und, wann immer es möglich ist, ein paar ruhige Momente nur für mich. Welch ein Geschenk! Zeit, Kräfte zu sammeln, um dann wieder ganz da zu sein, um mir Zeit zu nehmen für dieses kleine, mir anvertraute Menschlein. Wie schön, dass es ihn gibt!

Silke Mattner, Mitglied des Elternforums

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